Turning Darkness into Light

Das Trinity College Dublin ist die renommierteste Universität in Irland und wird weltweit unter die Top 10 eingestuft. Gegründet wurde sie im Jahr 1592 nach dem Vorbild von Cambridge und Oxfor und zählt so zu den ältesten der Welt. Zu ihren berühmtesten Absolventen gehören die Schriftsteller Samuel Beckett,  Oscar Wilde und Jonathan Swift sowie der Philosoph Edmund Burke und der Mathematiker William Rowan Hamilton. Der mitten im Stadtzentrum gelegene historische Campus wurde von Forbes zu einem der weltweit schönsten gewählt. Schon deshalb lohnt sich ein Besuch. Über den Haupteingang gelangt man durch das Regent House an der Westseite in das Universitätsgelände.

Auf dem Weg zum Campanile, dem zentralen Glockenturm des Campus, durchquert man zunächst eine kleine Grünanlage und gelangt anschließend auf den Parliament Square. Die beiden Gebäude an der Nord- und Südseite haben baugleiche Giebelfronten mit eindrucksvollen korinthischen Säulen. Das Gebäude an der Nordseite ist das ältere von beiden. Es wurde ursprünglich als Public Theatre gebaut und dient heute als Prüfungssaal. Konzipiert hatte es Sir William Chambers, der Architekt von King George III.

Gleich zu Beginn der Bauphase kam es zu einem Zerwürfnis zwischen Chambers und der Universitätsleitung. Man ersetze ihn durch den Architekten Christopher Myers und seinen Sohn Graham, die bis zur Fertigstellung des Gebäudes im Jahr 1786 die Bauleitung übernahmen. Sie entsprachen den Wünschen der Universität und übernahmen lediglich den Entwurf der Giebelfront von Chambers, der für seine bis dahin geleistete Arbeit keine Bezahlung erhielt.

Nachdem das Public Theatre fertiggestellt worden war, begann man mit dem Bau der gegenüberliegenden Chapel und verwendete Chambers Pläne für die Giebelfront ein zweites Mal. Und so bekam die Universität „zwei zum Preis von keinem“.

Der Glockenturm im Zentrum des Campus ist eines der Wahrzeichen von Dublin. Er wurde gestiftet vom Erzbischof von Armagh und im Jahr 1853 fertiggestellt. Studenten des Trinity College sollten den Turm besser meiden. Ein Aberglaube besagt, dass jeder Student, der unter dem Campanile durchgeht, seine Prüfungen nicht bestehen wird.

Das rote Gebäude im Hintergrund ist der einzige erhaltene (östliche) Flügel des Rubrics, dem ältesten Gebäude der Universität aus der Zeit um 1700. Die ursprünglich vier Flügel wurden aus rotem Ziegelstein um einen offenen, viereckigen Innenhof errichtet.

Über die Geschehnisse vor dem Haus 25 des Rubrics am Abend des 7. März 1734 gibt es eine erstaunliche Überlieferung: Edward Ford, ein Hochschullehrer und Sohn des Erzdiakons von Derry, bewohnte damals ein Zimmer in Haus 25. Er war unbeliebt bei den Studenten, ein Hitzkopf, berüchtigt wegen seiner Härte und Strenge. Eine rüpelhafte Gruppe von Studenten wollte sich an jenem Abend an ihm rächen, nachdem er sich wieder einmal in ihre Angelegenheiten eingemischt und sie beschimpft hatte. Sie lärmten vor dem Haus und warfen Steine in sein Fenster, bis eine Scheibe zerbrach. Ford reagierte prompt, erschien am Fenster, schoss mit einer Pistole auf die Gruppe und verletzte einen von ihnen. Die anderen aber zogen ihre eigenen Pistolen, erwiderten das Feuer und trafen ihn tödlich. Noch bevor er seinen Verletzungen erlag, bat er die Studenten um Vergebung. Seine letzten Worte waren: „Ich weiß es nicht, aber Gott vergebe ihnen, ich tue es.

Links vom Campanile befindet sich ein Denkmal des irischen Mathematikers und Theologen George Salmon, der 1888 zum Probst, dem höchsten Verwaltungsbeamten des Trinity College. gewählt wurde. Trotz der Zustimmung von Vorstand, Rat und Senat kämpfte er entschieden gegen die Zulassung von Frauen an der Universität und bekräftigte seine Position mit den Worten: „Nur über meine Leiche werden Frauen dieses College betreten.“

Nachdem er sich mit dieser Haltung immer unbeliebter gemacht hatte, gab er schließlich sein Veto auf. Er ergänzte seine Unterschrift unter das Gleichstellungs-Dekret von 1901 mit dem Zusatz: „Ich stimme meiner Hand zu, aber widerspreche meinem Herzen.“ Es war eine seiner letzten Handlungen als Probst. Seinen Worten aber blieb er treu. Kurz bevor im Januar 1904 die ersten Studentinnen aufgenommen wurden, erlag er einem Herzinfarkt. Seine Anhänger behaupteten, dass die Todesursache ein gebrochenes Herz gewesen wäre.

Auf dem Platz vor der Berkely Library und der Freeman Library of Geography steht eine Sphere Within Sphere des italienischen Künstlers Arnaldo Pomodoro aus dem Jahr 1980. Weitere Installationen seiner Sfera con Sfera sind auf der ganzen Welt zu sehen, z.B. auf dem Platz der Vereinten Nationen in New York und im Vatikanischen Museum in Rom.

Ebenfalls an den Platz mit der Sphere grenzt die Old Library. Sie ist das bedeutendste der fünf Bibliotheksgebäude und wurde zwischen 1712 und 1732 errichtet. In ihren Räumen befindet sich seit dem 17. Jahrhundert eine Dauerausstellung des Book of Kells, ein Muss für jeden Irlandbesucher. Das reich illustrierte handgeschriebene Buch stammt aus dem achten Jahrhundert und wurde aufgrund seiner Einzigartigkeit 2001 zum Weltdokumentenerbe erklärt. Man nimmt an, dass es im Kloster Iona an der Westküste Schottlands hergestellt und von den Mönchen, die im 9. Jahrhundert vor den Raubzügen der Wikinger flohen, nach Irland in Sicherheit gebracht wurde. Sie versteckten es in der Kells Abbey, wo es bis 1654 aufbewahrt wurde und seinen heutigen Namen erhielt. Danach gelangte es in das Trinity College. Dort liegt es heute geschützt hinter Panzerglas und wird am Abend automatisch in einen Tresor versenkt und verschlossen.

Der Raum, in dem das Book of Kells in einer Vitrine ausgestellt wird, ist verdunkelt und Fotografieren ist dort verboten. Es dauert eine Weile, bis man durch den Pulk, der sich um die Vitrine gebildet hat, in die erste Reihe vordringen und einen Blick in das Buch werfen kann. Es ist aufgeschlagen und man sieht nur eine Doppelseite. Das Licht ist so schwach, dass man kaum etwas darauf erkennen kann. Von Zeit zu Zeit wird das Buch umgeschlagen. Nicht etwa, um den Besuchern weitere Seiten zu präsentieren, sondern um sie vor dem Licht zu schützen.

Von der Ausstellung führt eine Treppe nach oben in den Long Room, den größten Raum der alten Bibliothek. Auf einer Länge von fast 65 Metern ist er mit 200.000 der ältesten Bücher der Universität gefüllt und enthält eine der beeindruckendsten Sammlungen der Welt.

Marmorbüsten säumen den Long Room, eine Sammlung, die 1743 anfänglich mit 14 Büsten beim Bildhauer Peter Scheemakers in Auftrag gegeben wurde. Die Büsten sind ausschließlich von Männern, großen Philosophen und Schriftstellern der westlichen Welt sowie von berühmten und weniger berühmten Männern, die mit dem Trinity College verbunden sind.

Bitte tragen Sie sich ein, um per E-Mail über neue Foto-Reportagen zur Reise über Die Achse des Lichts informiert zu werden.

close

Bitte tragen Sie sich ein, um per E-Mail über neue Foto-Reportagen zur Reise über Die Achse des Lichts informiert zu werden.