Carn Euny

Karte in Google Maps

Carn Euny (karn: kornisch für Steinhaufen) ist die Ausgrabungsstätte einer mehr als 2000 Jahre alten Siedlung aus der Eisenzeit. Sie liegt im Inland der Südwestspitze Cornwalls. Um dort hinzukommen, fährt man am besten zu dem in der Karte angegebenen Parkplatz Carn Euny Ancient Village Parking. Er befindet sich am Ende einer Sackgasse. Danach folgt man den Schildern und erreicht nach etwa 300 Metern die Überreste der antiken Siedlung.

Zunächst erblickt man nur einen Haufen herumliegender bzw. aufgestellter Steine. Wenn man sich über das Gelände bewegt, erkennt man bald, dass die Steine in Kreisen angeordnet sind, und findet dazu aufklärende Schautafeln.

Ausgrabungen konnten zeigen, dass Carn Euny bereits in der Jungsteinzeit (etwa 10000 v. Chr.) bewohnt war. Es gibt Hinweise darauf, dass die ersten Holzhütten dort um 200 v. Chr. gebaut wurden. Bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. wurden sie durch Steinhütten ersetzt. Ihre Überreste sind noch heute sichtbar. Die Zeichnung auf einer Schautafel verdeutlicht, wie die Siedlung zu jener Zeit ausgesehen haben könnte.

Die heute noch sichtbaren Steinformationen stammen aus unterschiedlichen Epochen. Die äußere Mauer und eine Hütte (blau gefärbt), von der nur noch eine Ruine übriggeblieben ist, wurden im 18. Jahrhundert errichtet. Die Rundhäuser entstanden um die Jahrtausendwende und waren noch während der Romano-Britischen Epoche besiedelt.

Die Fogou von Carn Euny

Besonders bemerkenswert in Carn Euny ist eine Fogou (kornisch für Höhle, ausgesprochen „fuhguh“), mit einer unterirdischen runden Kammer aus der frühen Eisenzeit (rot gefärbt) und einem unterirdischen Tunnel mit zwei Zugängen von außen (gelb gefärbt) aus der späten Eisenzeit. Die Verbreitung von Fogous beschränkt sich auf die Südwestspitze Cornwalls und die Scilly-Inseln. Bisher wurden neun derartiger Strukturen entdeckt.

Wozu dienten die runden unterirdischen Räume mit ihren Zugangstunneln? Die Antworten reichen von spirituellen Initiationskammern bis hin zu Lagerhäusern und Verstecken (vgl. ancientpenwith.org).

In der Fogou von Boleigh, unweit der Merry Maidens, fand man eine geschnitzte Figur, die auf einen unterirdischen Ritualort hindeutet. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Zugänge der Tunnel zu den Fogous nach den Auf- und Untergangspunkten der Sonne zur Sommersonnenwende ausgerichtet sind. Welche Rituale aber wurden dort abgehalten?

Rituelle Schwitzhütte

Vielleicht diente eine Fogou als unterirdische Schwitzhütte für Reinigungsrituale, die bei vielen Völkern der nördlichen Erdhalbkugel weit verbreitet waren. Die Fogou in Carn Euny wäre für diesen Zweck ideal gewesen. Sie war nachweislich nach oben geöffnet und nicht mit Steinen abgedeckt. Wenn überhaupt, so mutmaßen die Archäologen, hatte sie ein Holzdach. Heute ist sie aus Sicherheitsgründen mit einem Metallgitter abgedeckt. Bedeutsam ist weiter, dass die Fogou eine Drainage, eine Reihe abgedeckter Abflussrohre und eine Senkgrube besitzt.

Ein typisches Schwitzhütten-Ritual in Carn Euny könnte etwa folgenden Ablauf genommen haben:

Zur Vorbereitung wurde die runde Kammer von oben über ein Gestell aus Weidenholz mit Fellen abgedeckt. Auf einer Feuerstelle außerhalb der Höhle wurden Findlinge über Stunden zum Glühen gebracht, bis es dunkel war. Dann versammelten sich die Teilnehmer in der unterirdischen Kammer rund um einen Schamanen, der in der Mitte hockte. Die glühenden Steine wurden von den letzten Teilnehmern mithilfe von Eisen durch den Tunnel bis in die Fogou getragen und an den Schamanen übergeben. Dieser platzierte sie in der Wandnische gegenüber des Eingangs, der als Altar für die Zeremonie diente. Danach wurde auch der Eingang mit Fellen verschlossen.

Innen war es nun stockdunkel. Außer den rotglühenden Steinen war nichts zu sehen. Der Schamane legte zunächst reinigende Kräuter auf die Steine, wo sie verdampften und ihre Duftstoffe in den Raum verströmten. Dann goss er Wasser über die Steine, bis der Raum von heißem Wasserdampf erfüllt war. Die Teilnehmer schwitzten aus allen Poren und rangen um Atem. Begleitet wurden sie fortwährend durch Gebete und Gesänge des Schamanen. Die Menschen reinigten sich nicht nur körperlich in dieser Zeremonie. Der Schamanen unterstützte sie dabei, seelisch Belastendes loszulassen und sich davon zu befreien. Due heftige körperliche und seelische Wirkung des Rituals mussten die Teilnehmer wie ein Sterben empfunden haben.

Die unterirdische Schwitzhöhle war für sie die Gebärmutter von Mutter Erde. Das Feuer, das außerhalb brannte, war für sie die Kraft von Vater Sonne. Die glühenden Steine waren sein Samen, der die Gebärmutter befruchtete, so dass aus ihr neues Leben geboren werden konnte.

Erleichtert und vitalisiert krochen die Teilnehmer zum Schluss des Rituals aus der Gebärmutter durch den unterirdischen Geburtskanal an die frische Luft und verließen den Leib von Mutter Erde wie neugeboren.

Die Quelle von Carn Euny

Westlich von der Ausgrabungsstätte gibt es eine Quelle, die heute ein beliebter Ritualort zu sein scheint. Im Baum links neben der Quelle, die mit einem Schutzgitter abgedeckt ist, hängen zahlreiche Opfergaben.

Folgt man dem Weg zur Quelle weiter, so kommt man zu einem Gebäude, das von einem Bildhauer bewohnt wird..

Karte in Google Maps mit Megalithische Anlagen in West-Cornwall

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